"Ich werde keine Regieanweisungen geben..."
Petra Schneider fotografiert den Tagesbetrieb am Prinzregententheater.
Reportage von Boris Sunjic
Belebte Räume    
"Hier ist der Probenplan, Sie kennen sich ja aus im Haus."
Schon dreht sich Thomas Siedhoff zu seinem eifrig piepsenden Faxgerät um. Petra Schneider steht mit Kameratasche und Stativ schwer bepackt im engen Büro des Pressebeauftragten im Prinzregententheater in München.
"Danke", sagt sie und macht sich auf den Weg, den sie in der Tat genau zu kennen scheint.

Ein weniger ortskundiger Besucher könnte sich tatsächlich leicht verirren auf den verwinkelten kleinen Treppchen des Hinterbühnenbereichs mit ihren schweren grünen Brandschutztüren auf jedem Stockwerk: Die nüchternen Korridore aus unverputztem Beton münden oft überraschend in weit ausladende Gänge und großzügige Treppenfluchten im Publikumsbereich, der komplett mit Teppich ausgelegt ist. Dort zieren überall Zitate in roten Lettern von und über August Everding die Wände und Fensterscheiben.

Vor allem dank ihm erlebt das Theater im Jahr 2001 sein 100-jähriges Jubiläum. Ein Bildband mit alten Fotografien aus der Entstehungszeit des Theatergebäudes ist geplant. Diesen Bildern sollen Aufnahmen von möglichst vielen Innenräumen des Theaters gegenübergestellt werden, die zeigen, dass dort, wo zunächst nur nackte Architektur war, heute Leben und reger Theaterbetrieb herrschen.

Das ist Petra Schneiders Auftrag. Sie wird ihn heute mehrmals erklären müssen, wenn die Mitwirkenden der einzelnen Produktionen die Fotografin nicht immer freundlich, manchmal verwirrt oder verärgert fragen werden, warum sie denn hier sei. "Ich darf stören", ist sie von der Theaterleitung bevollmächtigt zu sagen.

Heute wird sie diesen Satz aber nur ein einziges mal brauchen.
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